NGC 4395 – eine lichtschwache Spiralgalaxie in den Jagdhunden

NGC 4395 ist eine lichtschwache Spiralgalaxie im Sternbild Jagdhunde. Die Aufnahme zeigt ihre diffuse Spiralstruktur, zahlreiche H-Alpha Regionen und ein tiefes Umfeld mit vielen kleinen Hintergrundgalaxien. Trotz ihrer unscheinbaren Erscheinung besitzt NGC 4395 einen aktiven Galaxienkern mit einem ungewöhnlich massearmen Schwarzen Loch.

NGC 4395 gehört zu den ungewöhnlicheren Spiralgalaxien am nördlichen Himmel. Sie zeigt keine stark ausgeprägten, symmetrischen Spiralarme, sondern wirkt locker, diffus und stellenweise fast fragmentiert. Genau dieser Charakter macht sie fotografisch besonders interessant.

Auf der Aufnahme fällt vor allem die unregelmäßige Verteilung der Sternentstehungsregionen auf. Die bläulichen Bereiche markieren junge Sternpopulationen, während die rötlichen H-Alpha Regionen ionisierte Wasserstoffwolken innerhalb der Galaxie zeigen.

Kurzfacts

• Objekt: NGC 4395
• Objekttyp: lichtschwache Spiralgalaxie
• Sternbild: Jagdhunde
• Entfernung: ca. 14 Millionen Lichtjahre
• Besonderheit: aktive Galaxie mit einem ungewöhnlich massearmen zentralen Schwarzen Loch
• Auffällige Strukturen: zahlreiche H-Alpha Regionen und aktive Sternentstehungsgebiete

Zum Vergleich eine Version ohne hervorgehobene H-Alpha Gebiete.

Eine Galaxie mit sehr geringer Flächenhelligkeit

NGC 4395 besitzt eine sehr geringe Flächenhelligkeit. Ihr Licht ist über eine relativ große Fläche verteilt, wodurch die Galaxie schwächer wirkt, als es ihre Gesamthelligkeit vermuten lässt. Für die Astrofotografie ist das anspruchsvoll, da feine Außenbereiche leicht im Rauschen oder in schwachen Gradienten untergehen.

In der Aufnahme zeigt sich die Galaxie als großflächiger, bläulich schimmernder Nebel aus Sternlicht. Ihre Struktur ist nicht scharf begrenzt, sondern geht weich in den Hintergrund über. Erst durch lange Belichtungszeit treten diese schwachen Bereiche deutlicher hervor.

Zusätzlich zeigt der Bildausschnitt zahlreiche kleine Hintergrundgalaxien. Dadurch entsteht ein deutlicher Tiefeneindruck zwischen der relativ nahen NGC 4395 und wesentlich weiter entfernten Galaxien im Hintergrund.

H-Alpha Regionen als sichtbare Sternentstehung

Ein wichtiger Bestandteil dieser Aufnahme sind die zusätzlichen H-Alpha Daten. H-Alpha Licht entsteht, wenn ionisierter Wasserstoff wieder in einen niedrigeren Energiezustand übergeht. Solche H-II Regionen sind häufig mit jungen, massereichen Sternen verbunden. Deren ultraviolette Strahlung regt das umgebende Gas zum Leuchten an.

In NGC 4395 sind diese Regionen über weite Teile der Galaxie verteilt. In der H-Alpha Version treten sie als rötlich bis magenta leuchtende Knoten und Filamente hervor. Sie zeigen, dass NGC 4395 trotz ihrer diffusen Erscheinung weiterhin aktive Sternentstehung besitzt.

Besonders auffällig ist die unregelmäßige Anordnung dieser H-Alpha Gebiete. Sie folgen nur locker der inneren Struktur der Galaxie und betonen den eher chaotischen Charakter von NGC 4395.

Ein aktiver Kern in einer unscheinbaren Galaxie

Neben ihrer sehr geringen Flächenhelligkeit ist NGC 4395 auch astrophysikalisch bemerkenswert. Die Galaxie besitzt einen aktiven Kern, obwohl ihr Zentralbereich optisch nicht besonders dominant erscheint. In diesem Kern befindet sich ein ungewöhnlich massearmes Schwarzes Loch.

Solche Objekte sind interessant, weil sie Hinweise darauf geben können, wie zentrale Schwarze Löcher in Galaxien entstehen und wachsen. In der Aufnahme steht dieser aktive Kern nicht isoliert im Vordergrund. Prägender ist die großflächige, diffuse Erscheinung der Galaxie.

Lage am Himmel

NGC 4395 befindet sich im Sternbild Jagdhunde. Die Region liegt abseits der dichten Milchstraßenebene und bietet dadurch einen relativ freien Blick in den extragalaktischen Raum. Entsprechend sind im Umfeld zahlreiche kleine Hintergrundgalaxien sichtbar.

Im annotierten Bild sind neben NGC 4395 verschiedene schwache Hintergrundgalaxien zu erkennen. Während NGC 4395 mit etwa 14 Millionen Lichtjahren Entfernung noch vergleichsweise nahe liegt, befinden sich viele dieser schwachen Galaxien erheblich weiter entfernt.

Die Aufnahme zeigt damit nicht nur eine einzelne Galaxie, sondern ein Feld aus nahen und fernen extragalaktischen Strukturen.

Fast 78 Stunden für eine diffuse Galaxie

NGC 4395 ist kein Objekt, das sich mit kurzer Belichtungszeit spektakulär zeigt. Ihre sehr geringe Flächenhelligkeit verlangt nach viel Integrationszeit, sauberer Kalibrierung und vorsichtiger Bearbeitung.

Für diese Aufnahme wurden RGB Daten mit zusätzlichen H-Alpha Daten kombiniert. Die RGB Daten bilden die natürliche Farbstruktur der Galaxie und des Sternfeldes ab. Die H-Alpha Daten ergänzen gezielt die Emissionsgebiete innerhalb der Galaxie.

Die Bearbeitung war daher ein Balanceakt zwischen Tiefe und Natürlichkeit. Die Galaxie sollte ihre diffuse, lichtschwache Erscheinung behalten, gleichzeitig aber die feinen blauen Sternwolken, rötlichen H-Alpha Regionen und schwachen Außenstrukturen zeigen.

Aufnahmedaten

Aufnahmedatum: 18.03.2026 bis 25.04.2026
Gesamtbelichtung: 77 h 55 min
Belichtung RGB: 439 × 300 s, gesamt 36 h 35 min
Belichtung H-Alpha: 496 × 300 s, gesamt 41 h 20 min

Teleskop: Celestron C11 EdgeHD
Kamera RGB: ZWO ASI 2400MC Pro
Kamera H-Alpha: ZWO ASI 6200MM Pro
Filter H-Alpha: Astronomik 6 nm H-Alpha
Montierung: Skywatcher EQ8-R
Software: ZWO ASIAIR, PixInsight, Photoshop