Abell 1656 – Der Coma Galaxienhaufen
Abell 1656 ist ein gewaltiger Galaxienhaufen im Sternbild Haar der Berenike. Diese Aufnahme zeigt keine einzelne Galaxie, sondern eine dichte Ansammlung aus weit über tausend Galaxien in rund 320 Millionen Lichtjahren Entfernung. Besonders eindrucksvoll ist die enorme Dichte an kleinen, diffusen Lichtflecken, von denen viele eigenständige Galaxien mit Milliarden von Sternen sind.
Abell 1656, besser bekannt als der Coma Galaxienhaufen, gehört zu den bekanntesten und am besten untersuchten Galaxienhaufen am Himmel. Er enthält über tausend bekannte Galaxien und bildet zusammen mit dem Leo Galaxienhaufen einen wichtigen Bestandteil des Coma Superhaufens.
Ein Klick auf das Bild öffnet die Grossansicht. Wer noch tiefer ins Feld eintauchen möchte, klickt erneut und kann dann mit der Lupenfunktion durch die vielen Galaxien gleiten.
Kurzfacts
- Objekt: Abell 1656
- Name: Coma Galaxienhaufen
- Objekttyp: Galaxienhaufen
- Sternbild: Haar der Berenike
- Entfernung: ca. 320 Millionen Lichtjahre
- Bekannte Mitglieder: NGC 4874, NGC 4889
- Besonderheit: einer der klassischen Galaxienhaufen in der Forschung zur Dunklen Materie
Auf den ersten Blick wirkt die Aufnahme fast wie ein besonders dichtes Sternfeld. Erst bei genauerem Hinsehen wird deutlich, dass viele der kleinen, weichen Lichtflecken keine Sterne sind, sondern weit entfernte Galaxien. Damit zeigt das Bild nicht nur ein einzelnes Deep-Sky-Objekt, sondern eine grosse kosmische Struktur.
Der Reiz dieses Motivs liegt weniger in kräftigen Farben oder spektakulären Nebelformen, sondern in der Tiefe des Feldes. Zwischen den Vordergrundsternen unserer Milchstrasse liegen unzählige Galaxien, die zusammen den Coma Galaxienhaufen bilden. Zusätzlich sind im Hintergrund weitere, noch fernere Galaxien sichtbar.
Ein Feld voller Galaxien
Der zentrale Bereich des Coma Galaxienhaufens wird von vielen gelblich erscheinenden, meist elliptischen Galaxien geprägt. Besonders auffällig sind die beiden massereichen elliptischen Galaxien NGC 4874 und NGC 4889. Sie gehören zu den hellsten Mitgliedern des Haufens und markieren den dichten Kernbereich dieser gewaltigen Ansammlung.
Viele der kleineren Galaxien wirken nur wie schwache, leicht verwaschene Punkte oder kurze Striche. Gerade im annotierten Bild wird deutlich, wie dicht dieses Feld tatsächlich ist. Die Beschriftungen zeigen nur einen Teil der Objekte, die im Bild vorhanden sind. Ohne Annotation lassen sich viele dieser Galaxien kaum vom Hintergrund unterscheiden und werden erst beim Hineinzoomen richtig sichtbar.
Im Gegensatz zu einer grossen Einzelgalaxie besitzt der Coma Galaxienhaufen kein klar begrenztes Erscheinungsbild. Das Motiv lebt von der Summe vieler einzelner Galaxien und von der räumlichen Wirkung, die durch diese grosse Anzahl entsteht.
Lage am Himmel
Abell 1656 befindet sich im Sternbild Haar der Berenike. Diese Region liegt weit abseits der dichten Milchstrassenebene und erlaubt dadurch einen relativ freien Blick in den extragalaktischen Raum. Genau deshalb sind hier besonders viele ferne Galaxien sichtbar.
Die Aufnahme zeigt dabei mehrere Entfernungsebenen gleichzeitig. Die punktförmigen Sterne gehören zu unserer eigenen Milchstrasse und liegen im Vordergrund. Dahinter befindet sich der Coma Galaxienhaufen in rund 320 Millionen Lichtjahren Entfernung. Noch weiter im Hintergrund liegen zusätzliche schwache Galaxien, die nicht mehr zum Haufen selbst gehören müssen.
Ein klassisches Objekt der Forschung zur Dunklen Materie
Der Coma Galaxienhaufen ist nicht nur fotografisch interessant, sondern auch wissenschaftlich bedeutsam. Bereits in den 1930er Jahren untersuchte Fritz Zwicky die Bewegungen der Galaxien in diesem Haufen. Dabei zeigte sich, dass sich die Galaxien zu schnell bewegen, um allein durch die sichtbare Materie gravitativ zusammengehalten zu werden. Die sichtbaren Galaxien konnten also nicht die gesamte Masse des Haufens erklären.
Aus dieser Diskrepanz entstand einer der frühen Hinweise auf das, was heute als Dunkle Materie bezeichnet wird. Die Galaxien im Haufen verhalten sich so, als wäre deutlich mehr Masse vorhanden, als direkt sichtbar ist. Abell 1656 ist damit ein gutes Beispiel dafür, dass ein scheinbar ruhiges Galaxienfeld grundlegende Fragen zur Struktur des Universums berührt.
In der Aufnahme selbst sieht man diese Dunkle Materie natürlich nicht direkt. Sichtbar sind nur die Galaxien und Sterne. Dennoch ist gerade dieses Feld eng mit der Geschichte verbunden, wie Astronomen auf die Existenz unsichtbarer Masse im Universum aufmerksam wurden.
41 Stunden für ein Galaxienmeer
Der Coma Galaxienhaufen ist kein Objekt, das durch eine einzelne helle Struktur dominiert wird. Die Herausforderung liegt vielmehr darin, viele schwache Galaxien sauber aus dem Hintergrund herauszuarbeiten. Gerade die kleineren und weiter aussen liegenden Galaxien besitzen nur geringe Helligkeit und können bei zu harter Bearbeitung schnell verloren gehen.
Für diese Aufnahme wurden Luminanzdaten mit RGB Farbdaten kombiniert. Die Luminanz liefert vor allem Tiefe, Struktur und Auflösung, während die RGB Farbdaten die Farbinformationen ergänzen. In die finale Version eingeflossen sind die Luminanzdaten sowie die gemeinsam aufgenommenen RGB Daten. Ein weiterer Vorteil der Luminanzdaten liegt in diesem Datensatz in der Sternwiedergabe: Die Monochromkamera und die längere Luminanzbelichtung tragen dazu bei, feinere und schwächere Sterne sichtbar zu machen, was dem Gesamtbild zusätzliche Tiefe verleiht.
Die Bearbeitung war entsprechend ein Balanceakt. Einerseits sollten die vielen schwachen Galaxien sichtbar werden, andererseits durfte der Hintergrund nicht künstlich aufgehellt oder zu stark geglättet wirken. Besonders bei einem Motiv wie diesem ist Zurückhaltung wichtig, weil die Wirkung stark von feinen Helligkeitsunterschieden lebt.
Aufnahmedaten
Aufnahmedatum: 18.03.2026 bis 08.04.2026
Gesamtbelichtung: 41 h 05 min
Belichtung Luminanz: 319 × 300 s, gesamt 26 h 35 min
Belichtung RGB: 174 × 300 s, gesamt 14 h 30 min
Aufnahmenächte:
- 18.03.2026: Luminanz, 8 h 36 min
- 19.03.2026: Luminanz, 8 h 45 min
- 20.03.2026: Luminanz, 5 h 30 min
- 23.03.2026: Luminanz, ca. 3 h 44 min
- 07.04.2026: RGB, 7 h 18 min
- 08.04.2026: RGB, 7 h 06 min
Teleskop: APM LZOS 152/1200 Apo
Kamera Luminanz: ZWO ASI 6200MM Pro
Kamera RGB: ZWO ASI 2400MC Pro
Montierung: Skywatcher EQ8-R
Software: ZWO ASIAIR, PixInsight, Photoshop






