LRGB und OSC im Praxisvergleich am Coma Galaxienhaufen
Wie groß ist der Unterschied zwischen einer Mono Kamera mit LRGB Workflow und einer One Shot Color Kamera wirklich? Auf dem Papier scheint die Sache klar zu sein. Die Mono Kamera bietet mit separater Luminanz und echter Kanaltrennung klare technische Vorteile. In der Praxis hängt das Ergebnis aber von deutlich mehr Faktoren ab. Pixelgröße, Sampling, Gesamtbelichtungszeit, Seeing und Bearbeitung spielen eine ebenso wichtige Rolle.
Bei einer Aufnahmeserie am Coma Galaxienhaufen ergab sich für mich eher zufällig die Möglichkeit, genau diesen Vergleich einmal unter praxisnahen Bedingungen durchzuführen. Beide Datensätze entstanden am gleichen Objekt und am gleichen Teleskop, einem 6 Zoll Apo. Zunächst hatte ich eine ASI 6200MM für klassische LRGB Aufnahmen im Einsatz. Später wurde diese Kamera für ein anderes Setup im Schmalbandbereich benötigt, sodass ich die Serie mit einer ASI 2400MC fortgesetzt habe. Genau daraus entstand dieser Direktvergleich zwischen LRGB und OSC.
Ausgangslage und Vergleichsbasis
Ganz fair ist ein solcher Vergleich natürlich nicht. Die verwendeten Sensoren unterscheiden sich nicht nur im Kamerakonzept, sondern auch in der Pixelgröße. Ein Pixel der ASI 2400MC besitzt rund 2,5 mal mehr Fläche als ein Pixel der ASI 6200MM. Das dürfte sich vor allem beim Signal pro Pixel bemerkbar machen. Ideal wäre für einen noch direkteren Vergleich eine farbige Vollformatkamera mit identischer Pixelgröße zur Mono Variante gewesen. Diese stand in meinem Fall jedoch parallel an einem anderen Setup im Einsatz.
Trotzdem fand ich es spannend zu sehen, was bei vergleichbarer Gesamtbelichtungszeit mit beiden Systemen am selben Objekt tatsächlich herauskommt. Meine Erwartung war zunächst klar: Über die Luminanz müsste die Mono Kamera hier einen deutlichen Vorsprung zeigen.
Die LRGB Daten der Mono Kamera waren ursprünglich länger belichtet als die Daten der OSC. Um die Vergleichbarkeit zu verbessern, habe ich die Mono Daten deshalb für einen eigenen Versuchsstack auf die Gesamtbelichtungszeit der OSC reduziert. Die ASI 2400MC kam auf insgesamt 14 Stunden 30 Minuten. Die ASI 6200MM habe ich für diesen Vergleich auf 8 Stunden 30 Minuten Luminanz sowie jeweils 2 Stunden pro Farbkanal reduziert. Das entspricht aus meiner Sicht einer praxisnahen LRGB Verteilung.
Bearbeitung in PixInsight
Die Bearbeitung wurde bewusst schlicht gehalten, damit der Vergleich nicht durch zusätzliche Optimierungen verfälscht wird.
Auf alle Daten wurde lediglich GradientCorrection angewendet. Die RGB Kanäle der Mono Aufnahme wurden per LinearFit angeglichen und anschließend mit LRGBCombination kombiniert. Danach erfolgte bei beiden Varianten die Farbkalibrierung mit SPCC. Abschließend wurden beide Bilder mit den Standardeinstellungen von MaskedStretch gestretcht. Auf weitere Maßnahmen wie Dekonvolution, Entrauschung oder gezielte Detailverstärkung habe ich bewusst verzichtet.
Gerade dieser einfache Workflow macht den Vergleich für mich interessant, weil er den Charakter der Daten recht unverfälscht zeigt.
Was mir beim Vergleich auffällt
Im direkten Vergleich zeigt die großpixelige OSC bei den kleinen Galaxien erstaunlich ähnliche Details wie die Mono Variante. Die Unterschiede sind vorhanden, aber deutlich kleiner, als ich es im Vorfeld erwartet hätte.
Die Mono Aufnahme wirkt bei Sternen und kleinen Strukturen etwas feiner. Die OSC zeigt Objekte und Sterne minimal aufgeblähter. Dieser Unterschied ist sichtbar, fällt in der Gesamtansicht aber eher dezent aus.
Gleichzeitig scheint die OSC insgesamt etwas mehr Signal pro Pixel einzusammeln. Das macht sich auch bei sehr schwachen Sternen bemerkbar. Hier dürfte die größere Pixelgröße trotz des Nachteils der Bayer Matrix eine wichtige Rolle spielen. Farblich zeigen sich ebenfalls Unterschiede. Zudem wirkt das Rauschen bei der OSC etwas präsenter und gröber.
Gerade bei einem Objekt wie dem Coma Haufen, das aus unzähligen kleinen und schwachen Galaxien besteht, fand ich dieses Ergebnis bemerkenswert. Meine Erwartung war zunächst, dass die Mono Variante über die Luminanz einen deutlicheren Vorsprung zeigen würde.
Erste Beobachtungen
Im direkten Vergleich zeigt die großpixelige OSC bei den kleinen Galaxien erstaunlich ähnliche Details wie die Mono Variante. Die Unterschiede sind vorhanden, aber kleiner, als ich es im Vorfeld erwartet hätte.
Die Mono Aufnahme wirkt bei Sternen und kleinen Strukturen etwas feiner. Die OSC zeigt Sterne und kompakte Objekte einen kleinen Hauch aufgeblähter. Dieser Unterschied ist sichtbar, fällt in der Gesamtansicht aber eher dezent aus. Gleichzeitig scheint die OSC insgesamt etwas mehr Signal pro Pixel einzusammeln, was sich auch bei sehr schwachen Sternen bemerkbar macht. Hier dürfte die deutlich größere Pixelgröße trotz des grundsätzlichen Nachteils der Bayer Matrix eine wesentliche Rolle spielen.
Farblich zeigen sich ebenfalls Unterschiede. Die OSC wirkt in der Darstellung etwas kräftiger, während die LRGB Variante insgesamt etwas nüchterner erscheint. Zudem wirkt das Rauschen bei der OSC etwas präsenter und gröber.
Bei einem Objekt wie dem Coma Haufen, der aus unzähligen kleinen und schwachen Galaxien besteht, fand ich genau dieses Ergebnis bemerkenswert. Ich hätte im Vorfeld erwartet, dass sich die Luminanz der Mono Kamera deutlicher absetzen würde.
Direkte Bildvergleiche
Die folgenden Ausschnitte zeigen den Vergleich bei 200 Prozent Vergrößerung. Besonders interessant sind dabei die kleineren Galaxien, die Sternabbildung sowie der Gesamteindruck aus Feinstruktur und Rauschcharakter.
Gesamtansichten
Neben den Detailausschnitten lohnt sich auch der Blick auf die Gesamtbilder. Hier zeigen sich besonders gut die Unterschiede in Bildwirkung, Farbcharakter und Sternabbildung über das gesamte Feld.
Fazit
Für mich zeigt dieser Vergleich vor allem eines: Der praktische Abstand zwischen LRGB und OSC ist in einem solchen Szenario kleiner, als man auf dem Papier vielleicht erwarten würde.
Die Mono Variante liefert die etwas feinere Zeichnung und wirkt bei kleinen Strukturen minimal präziser. Die OSC hält jedoch überraschend gut mit und bringt pro Pixel sichtbar viel Signal mit. Dem stehen ein etwas gröberes Rauschen und eine etwas weichere Abbildung gegenüber.
Ein pauschales Urteil lässt sich daraus natürlich nicht ableiten, denn Seeing, Sampling, Pixelgröße, Bearbeitung und Objektart spielen immer mit hinein. Dennoch fand ich es sehr aufschlussreich, beide Ansätze einmal unter vergleichbaren Bedingungen direkt nebeneinander zu sehen.
Wer das Maximum aus seinen Daten herausholen möchte, ist mit einer Mono Kamera nach wie vor auf dem bekannten und aus meiner Sicht richtigen Weg.
Abschließend noch eine persönliche Randnotiz: Bei mir kommen Mono Kameras in erster Linie für Schmalband und gelegentlich für Luminanz zum Einsatz. Für RGB nutze ich aus persönlicher Vorliebe meist eine OSC. Der klassische LRGB Workflow ist bei mir daher nicht der Standard, was diesen Vergleich für mich umso interessanter gemacht hat.






