Mein erster ISS Transit vor der Sonne und eine beeindruckend aktive Sonne

Am 26. Mai 2026 gelang mir ein Ereignis, auf das ich viele Jahre gewartet hatte: Mein erster erfolgreich fotografierter Transit der Internationalen Raumstation vor der Sonne.

Immer wieder hatte ich in den vergangenen Jahren nach passenden ISS Transits gesucht, die Sichtbedingungen geprüft und auf günstiges Wetter gehofft. Oft scheiterte es an Wolken, ungünstigen Sichtbedingungen oder weil die Flugbahn kurzfristig angepasst wurde. Dieses Mal passte alles zusammen und die Gelegenheit wurde direkt mit zwei unterschiedlichen Sonnensetups genutzt.

Doch nicht nur der Transit selbst war bemerkenswert. Die Sonne präsentierte sich an diesem Tag aussergewöhnlich aktiv und bot auch nach dem eigentlichen Ereignis zahlreiche faszinierende Details, die im H-alpha Licht sichtbar wurden.

Kurzfacts

Objekt: Internationale Raumstation (ISS)
Datum: 26.05.2026
Uhrzeit: 16:17:02 Uhr
Transitdauer: 0,90 Sekunden
Entfernung ISS: 564 km
Winkeldurchmesser ISS: 48,97 Bogensekunden
Sonnenhöhe: 46,2°
Abstand zur Zentrallinie: 0,56 km (nur 560 m von der optimalen Transitlinie entfernt)

Da sich ISS Transitvorhersagen durch kleinere Bahnkorrekturen kurzfristig noch verändern können, blieb die Planung bis zum Beobachtungstag spannend. Bei einer Transitdauer von nur 0,90 Sekunden gibt es keine zweite Chance. Deshalb war die parallele Aufnahme mit zwei Sonnensetups nicht nur reizvoll, sondern auch eine gewisse Absicherung.

Zwei Teleskope für zwei Sonnenwelten

Für dieses Ereignis kamen zwei völlig unterschiedliche Sonnensysteme zum Einsatz.

H-alpha: Ein Lunt LS100MT B3400FT mit Doublestack mit einer ZWO ASI183MM Kamera.

Im H-alpha Licht wird nicht die sichtbare Sonnenoberfläche dargestellt, sondern die darüber liegende Chromosphäre. Hier werden Filamente, aktive Regionen, Protuberanzen und magnetische Strukturen sichtbar, die im normalen Weißlicht verborgen bleiben.

Das H-alpha Vollbild zeigt die ISS als dunkle Silhouette vor einer aussergewöhnlich detailreichen Sonnenoberfläche. Besonders auffällig waren mehrere Protuberanzen am Sonnenrand sowie ausgedehnte Filamente und aktive Regionen auf der Sonnenscheibe.

Weißlicht: TSQ100 Apo mit 2" Lacerta Herschelkeil, einem Solar Continuum Filter und ZWO ASI585MM als Kamera.

Im Weißlicht wird die Photosphäre der Sonne sichtbar. Hier dominieren Sonnenflecken und die feine Granulation der Sonnenoberfläche.

Die zusammengesetzte Aufnahme macht die Flugbahn der ISS über die Sonnenscheibe sichtbar und verdeutlicht, welche Strecke die Raumstation innerhalb von nur 0,90 Sekunden zurücklegte.

Detailaufnahmen einer aktiven Sonne

Nach dem Transit bot die Sonne zahlreiche interessante Strukturen, die im H Alpha Licht besonders eindrucksvoll sichtbar wurden.

Die Detailaufnahmen zeigen eine dynamische Chromosphäre mit ausgedehnten Protuberanzen am Sonnenrand, hellen aktiven Regionen und dunklen Filamenten auf der Sonnenscheibe. Protuberanzen bestehen aus dichtem Plasma, das entlang magnetischer Feldlinien weit über die Sonnenoberfläche hinausragt. Filamente sind dieselben Strukturen, erscheinen vor der hellen Sonnenscheibe jedoch dunkel. Die hellen aktiven Regionen markieren Bereiche starker magnetischer Aktivität und stehen häufig mit Sonnenflecken und Eruptionen in Verbindung.

Besonders faszinierend ist die feine faserartige Struktur, die nahezu die gesamte Oberfläche überzieht. Sie macht die komplexen Magnetfelder sichtbar, welche die Dynamik der Sonnenatmosphäre bestimmen. Was für das blosse Auge wie eine ruhige gelbe Scheibe erscheint, offenbart sich im H Alpha Licht als ständig wechselnde und hochaktive Umgebung.

Fazit

Der Transit der ISS war zweifellos das Highlight des Tages. Nach mehreren Jahren vergeblicher Versuche endlich eine erfolgreiche Aufnahme festhalten zu können, war ein besonderer Moment. Mindestens ebenso beeindruckend war jedoch die Sonne selbst. Die Kombination aus grossen Protuberanzen, aktiven Regionen, Filamenten und feinsten Chromosphärenstrukturen machte den 26. Mai 2026 zu einem aussergewöhnlich lohnenden Beobachtungstag. Während die ISS die Sonnenscheibe in weniger als einer Sekunde überquerte, erinnern die Detailaufnahmen daran, dass auch die Sonne selbst ständig in Bewegung ist und jeden Tag neue faszinierende Strukturen hervorbringt.

Zum Abschluss noch ein kleines Video dazu: