Geformt durch junge Sterne – Rosettennebel um NGC 2244

Der Rosettennebel ist eine ausgedehnte Sternentstehungsregion in unserer Milchstraße. Die Aufnahme zeigt, wie junge Sterne die Struktur des umgebenden Gases prägen.

Der Rosettennebel im Sternbild Einhorn ist eine ausgedehnte H-II-Region, deren Erscheinungsbild maßgeblich durch den offenen Sternhaufen NGC 2244 geprägt wird. Die jungen, massereichen Sterne im Zentrum emittieren intensive ultraviolette Strahlung und treiben starke Sternwinde an. Beides zusammen ionisiert das umgebende Gas und formt über lange Zeiträume die großräumige Struktur des Nebels.

Der Rosettennebel und sein Zentrum

Der Rosettennebel besteht aus mehreren historisch getrennt katalogisierten Nebelregionen, die heute als ein zusammenhängendes Objekt verstanden werden. Eingebettet in dieses Gas- und Staubsystem liegt der offene Sternhaufen NGC 2244. Er ist nicht der Nebel selbst, aber dessen treibende Kraft.

Der Sternhaufen ist vergleichsweise jung und enthält mehrere sehr heiße O- und B-Sterne. Ihre intensive ultraviolette Strahlung ionisiert das umgebende Gas und sorgt dafür, dass der Nebel überhaupt sichtbar wird. Gleichzeitig treiben ihre Sternwinde Materie aus dem Zentrum heraus und erzeugen den markanten, hohlgeblasenen Innenraum.

Der Sternhaufen NGC 2244 ist nur wenige Millionen Jahre alt und gehört damit zu den jüngsten offenen Sternhaufen in unserer galaktischen Umgebung. Seine Sterne befinden sich noch in einer frühen Entwicklungsphase, prägen ihre Umgebung jedoch bereits nachhaltig.

Eine Besonderheit des Rosettennebels ist die klare räumliche Trennung zwischen dem zentralen Hohlraum und den dichteren Gas- und Staubregionen an den Rändern. In diesen Randbereichen verdichtet sich das Material teilweise erneut, wodurch Bedingungen entstehen, unter denen neue Sterne entstehen können. Der Nebel zeigt damit sowohl das Ergebnis bereits erfolgter Sternentstehung als auch mögliche Ansätze für kommende Generationen.

Hinzu kommt, dass der Rosettennebel trotz seiner großen Ausdehnung relativ symmetrisch wirkt. Diese Struktur legt nahe, dass der Einfluss des zentralen Sternhaufens über lange Zeiträume hinweg vergleichsweise stabil war und den Nebel gleichmäßig geformt hat.

Geformt durch junge Sterne

Die Aufnahme legt den Fokus auf genau diesen Prozess. Sichtbar werden Ionisationsfronten, filamentartige Strukturen und großräumige Gasbewegungen, die direkt auf den Einfluss der jungen Sterne zurückzuführen sind.

Der Nebel erscheint dabei nicht als statisches Objekt, sondern als dynamischer Raum. Materie wird verdrängt, verdichtet und neu strukturiert. Sternentstehung wirkt hier nicht nur lokal, sondern prägt die gesamte Umgebung.

SHO-Falschfarben und Strukturwirkung

Die Darstellung basiert auf einer sogenannten SHO-Falschfarbenkomposition. Dabei werden drei schmalbandige Aufnahmen kombiniert, die jeweils Licht einer bestimmten Emissionslinie zeigen. Dieses Licht ist für das menschliche Auge entweder nicht sichtbar oder nur sehr schwach wahrnehmbar.

Um die unterschiedlichen Gasbestandteile unterscheiden zu können, werden die einzelnen Emissionslinien künstlichen Farben zugeordnet. In dieser Darstellung steht Schwefel-II (SII) für warme Gold- und Orangetöne, Wasserstoff-alpha (Hα) für Grün und Sauerstoff-III (OIII) für Blau- und Cyanfarben.

Diese Farben entsprechen keiner visuellen Farbwahrnehmung. Sie dienen vielmehr dazu, unterschiedliche physikalische Zustände des Gases sichtbar zu machen. Bereiche mit stark ionisiertem Sauerstoff dominieren den Innenraum, während dichtere Regionen und Randzonen stärker durch Wasserstoff- und Schwefelemissionen geprägt sind.

Der Vorteil dieser Methode liegt darin, dass sich Strukturen, Übergangszonen und energetische Unterschiede deutlich besser erkennen lassen als in einer farblich natürlichen Darstellung. Die Falschfarben machen Prozesse sichtbar, die in klassischen Farbbildern weitgehend verborgen bleiben.

Ein weiterer Vorteil der Schmalbandfotografie liegt in ihrer Unempfindlichkeit gegenüber Lichtverschmutzung. Durch die gezielte Aufnahme einzelner Emissionslinien lassen sich auch aus weniger dunklen Regionen kontrastreiche Darstellungen von Emissionsnebeln gewinnen.

Ausschnitte

Lage am Himmel und galaktische Umgebung

Der Rosettennebel liegt im Sternbild Einhorn nahe der Grenze zu den Zwillingen und gehört zur äußeren Region des Orion-Arms unserer Milchstraße. Mit einer Entfernung von rund 5.000 Lichtjahren ist er Teil eines größeren Komplexes aktiver Sternentstehung, zu dem auch weitere Emissionsnebel und junge Sternhaufen gehören.

Seine Lage abseits der hellsten Milchstraßenregionen macht ihn visuell relativ unauffällig, fotografisch jedoch besonders reizvoll. Der Kontrast zwischen dem zentralen Sternhaufen, den ionisierten Gasregionen und den umgebenden Staubstrukturen erlaubt einen tiefen Einblick in die Prozesse, die Sternentstehung auf galaktischer Skala prägen.

Mit einer scheinbaren Größe von etwa 80 × 60 Bogenminuten lässt sich der Rosettennebel unter dunklem Himmel bereits mit einem Feldstecher als ausgedehnte Aufhellung erahnen, während seine komplexen Strukturen erst fotografisch deutlich hervortreten.

Aufnahmedaten:

Aufnahmen: Hα 177×300 s (14h45m) · OIII 73×300 s (6h05m) · SII 131×300 s (10h55m) · RGB je 180 s (gesamt 1h27m) · Gesamt ≈ 33h12m
Aufnahmezeitraum: 14.01.2022 – 09.02.2022
Teleskop: TS-Optics Imaging Star 100 mm f/5.8 Quadruplet (TSQ-100ED)
Kamera: ZWO ASI 2600MM Pro (–10 °C, Gain 100)
Filter: Astronomik Deep Sky RGB · SHO 6 nm
Montierung: Sky-Watcher AZ-EQ6