Der Haifisch im Cepheus – LDN 1235
LDN 1235 ist eine markante Dunkelwolke im nördlichen Sternbild Cepheus. Aufgrund ihrer charakteristischen Silhouette wird sie häufig als „Haifischnebel“ bezeichnet. Anders als Emissionsnebel sendet diese Region kein eigenes Licht aus. Sichtbar wird sie durch die Absorption und Streuung des Hintergrundlichts der Milchstraße.
Die Aufnahme zeigt eine komplexe Staublandschaft mit dichten, nahezu lichtundurchlässigen Kernen und ausgedehnten filamentartigen Strukturen. Was zunächst wie eine dunkle Leerstelle erscheint, ist in Wirklichkeit eine kalte und strukturreiche Molekülwolke innerhalb unserer Galaxie.
Kurzfacts
Objekt: LDN 1235
Typ: Dunkelwolke, molekulare Staubregion
Sternbild: Cepheus
Katalog: Lynds Dark Nebula
Begleitobjekte: VdB 150, VdB 149, LBN 546, LBN 535
Gesamtbelichtungszeit: ca. 35 Stunden
Aufnahmejahre: 2021 und 2022
Die Natur einer Dunkelwolke
Dunkelwolken bestehen aus kaltem Gas und feinem interstellarem Staub. Sie blockieren das Licht dahinterliegender Sterne und erscheinen dadurch als dunkle Silhouetten vor dem Sternhimmel.
LDN 1235 ist Teil eines größeren Staubkomplexes im Cepheus. Solche Strukturen entstehen durch großräumige Bewegungen von Gas und Staub innerhalb unserer Galaxie. In besonders dichten Bereichen kann sich Material mit der Zeit weiter verdichten – ein möglicher erster Schritt zur Entstehung neuer Sterne.
Die Entfernung von LDN 1235 wird auf etwa 600 bis 700 Lichtjahre geschätzt. Damit zählt die Wolke zu den vergleichsweise nahegelegenen Staubregionen unserer Milchstraße. Ihre Ausdehnung umfasst mehrere Lichtjahre, wobei die auffällige „Haifisch“-Form nur einen Teil eines deutlich größeren Staubfeldes zeigt.
Das Material in solchen Wolken ist extrem kalt. Die Temperaturen liegen weit unter dem Gefrierpunkt, nur wenige Grad über dem absoluten Nullpunkt. Trotz dieser extrem niedrigen Temperaturen sind Dunkelwolken keine leeren Bereiche, sondern dichte und strukturreiche Regionen unserer Galaxie.
Morphologie – Die Silhouette des „Haifischs“
Die Form der Wolke erinnert deutlich an einen Hai. Der kompakte, stark absorbierende Kern im westlichen Bereich wirkt wie ein geöffnetes Maul. Von dort zieht sich ein ausgedehnter Staubschweif nach Osten, begleitet von fein strukturierten Filamenten.
Diese Strukturen entstehen durch Dichteunterschiede innerhalb der Molekülwolke. Turbulente Gasbewegungen formen über große Skalen hinweg komplexe, geschichtete Muster, die sich über mehrere Lichtjahre erstrecken können.
Reflexionsnebel im Umfeld
LDN 1235 ist von mehreren Reflexionsnebeln umgeben, insbesondere VdB 150 und VdB 149.
Die blauen Anteile entstehen durch Streuung des Lichts junger Sterne an feinen Staubpartikeln. Kurzwelliges Licht wird effizienter gestreut als langwelliges, wodurch die charakteristische bläuliche Färbung entsteht.
Der Kontrast zwischen warmen Staubtönen und kühlen Reflexionsanteilen verleiht der Region ihre visuelle Tiefe.
Aufnahmebedingungen – Hochalpen und Gartenhimmel
Ein Teil der Daten entstand im Oktober 2021 auf dem Gornergrat in der Schweiz auf rund 3100 Metern Höhe. Neben der außergewöhnlichen alpinen Umgebung und dem Blick auf das Matterhorn bot der Standort eine beeindruckende Kulisse für die Aufnahmen. Die Kombination aus klarer Bergluft und exponierter Lage machte diese Nächte zu einem besonderen Erlebnis.

Weitere Belichtungen wurden 2022 in meinem Garten auf etwa 400 Metern Höhe aufgenommen. Hier stand die kontinuierliche Integration über mehrere Nächte im Vordergrund.
Lage am Himmel
LDN 1235 befindet sich im hohen nördlichen Bereich des Cepheus bei rund +73° Deklination. Das Objekt steht für mitteleuropäische Beobachter sehr hoch am Himmel und ist nahezu zirkumpolar sichtbar.
Die Region liegt nahe der Grenze zum Sternbild Draco und eingebettet in ein weitläufiges Staubfeld der nördlichen Milchstraße. Durch die hohe Position über dem Horizont ist die atmosphärische Extinktion vergleichsweise gering, was lange und stabile Belichtungsserien ermöglicht.
Aufnahmedaten
Aufnahmezeiträume:
Gornergrat, Schweiz – 07.10.2021 bis 10.10.2021
Gartenaufnahme – 01.09.2022 bis 15.10.2022
Gesamtbelichtungszeit: ca. 35 Stunden
Teleskop: TS-Optics 100 mm f/5,8 Quadruplet Apo (TSQ100 Apo)
Montierung: Avalon M-Zero / AZ-EQ6
Kamera: ZWO ASI 2600 MC Pro
Steuerung: ASIAIR
Bildbearbeitung: PixInsight, Adobe Photoshop




