Staub und Streulicht im Cepheus – LDN 1228 mit LBN 552, 555 und 590
Feine, dichte Staubstrukturen durchziehen das Sternfeld im Sternbild Cepheus und erzeugen markante Dunkelbereiche im Hintergrund der Milchstraße. Die Aufnahme zeigt LDN 1228 mit den umliegenden LBN 590, 552 und 555 als Teil eines aktiven Sternentstehungsgebietes im nördlichen Milchstraßenband.
Ein dunkles Staubband durchzieht das dichte Sternfeld der nördlichen Milchstraße. Was zunächst wie eine Lücke im Sternhintergrund wirkt, ist in Wirklichkeit eine besonders materiereiche Region interstellaren Gases. Das Bild zeigt nicht nur die Dunkelwolke LDN 1228, sondern ein strukturell zusammenhängendes Nebelfeld aus Absorptions- und helleren Staubregionen im Sternbild Cepheus.
Kurzfacts
Hauptobjekt: LDN 1228
Weitere Objekte: LBN 590, LBN 552, LBN 555
Objekttyp: Dunkel- und helle Nebelregion
Sternbild: Cepheus
Entfernung: ca. 600 bis 800 Lichtjahre
Eigenschaften und Struktur
LDN 1228 gehört zum Lynds Dark Nebula Katalog und ist Teil eines Molekülwolkenkomplexes im Cepheus. Sichtbar wird die Region durch Absorption. Interstellarer Staub blockiert das Licht der dahinterliegenden Milchstraße und erzeugt markante dunkle Filamente.
Die dunklen Bereiche sind keine leeren Zonen, sondern dichte Staubstrukturen mit hoher optischer Tiefe. In kompakten Kernen werden Hintergrundsterne deutlich abgeschwächt oder vollständig verdeckt. In weniger dichten Regionen bleibt die Sternpopulation sichtbar, wodurch ein ausgeprägter Kontrast zwischen Absorption und Sternfeld entsteht.
Im selben Bildfeld liegen mehrere helle Nebel aus dem Lynds Bright Nebula Katalog:
LBN 590
LBN 552
LBN 555
Diese Regionen erscheinen deutlich heller als LDN 1228. Sie werden entweder durch Streulicht nahegelegener Sterne sichtbar oder enthalten schwach ionisiertes Gas. Besonders LBN 552 wirkt stärker beleuchtet, was auf eine günstigere Geometrie zur lokalen Strahlungsquelle hinweist.
Am rechten oberen Bildrand liegt zudem die sehr schwache Nebelregion LBN 545, die jedoch nur diffus ausgeprägt ist und sich kaum vom galaktischen Hintergrund abhebt.
LDN und LBN – Zwei Kataloge, zwei Erscheinungsformen
Die im Bild sichtbaren Objekte stammen aus zwei Katalogen der Astronomin Beverly Lynds aus den 1960er Jahren.
LDN steht für Lynds Dark Nebula. Diese Objekte erscheinen dunkel, weil Staub das Licht dahinterliegender Sterne absorbiert. LDN 1228 ist eine solche lichtblockierende Staubstruktur.
LBN steht für Lynds Bright Nebula. Diese Objekte erscheinen hell, da sie Licht naher Sterne reflektieren oder selbst schwach emittieren.
Im vorliegenden Bild treffen beide Erscheinungsformen direkt aufeinander. LDN 1228 zeigt dichte, absorbierende Staubkerne. LBN 590, 552 und 555 markieren Bereiche, in denen Staub und Gas Licht streuen oder lokal ionisiert sind. Physikalisch handelt es sich dabei nicht um unterschiedliche Materiearten, sondern um verschiedene Beleuchtungssituationen und Dichtezustände innerhalb desselben interstellaren Mediums.
Eingebettete Sternentstehung
LDN 1228 ist eine aktive Sternentstehungsregion. Innerhalb der Wolke befinden sich junge Sterne sowie mindestens ein Herbig Haro Objekt. Solche Objekte entstehen durch Jets sehr junger Protosterne, die mit hoher Geschwindigkeit in das umgebende Gas strömen.
Im Gegensatz zu klassischen H II Regionen fehlt jedoch eine dominante, massereiche UV Quelle. Es gibt keinen heißen O Stern, der das Gas großflächig ionisiert. Deshalb dominiert hier die Dunkelstruktur. Die Region zeigt eine frühe Phase der Sternentstehung, bevor starke Ionisation das Umfeld prägt.
Lage am Himmel
Das Nebelfeld liegt im Sternbild Cepheus, eingebettet in das Band der nördlichen Milchstraße. Das dichte Hintergrundsternfeld erzeugt einen ausgeprägten Kontrast zu den absorbierenden Staubstrukturen.
Dieses Gesichtsfeld bildet nur einen kleinen Ausschnitt eines deutlich größeren interstellaren Nebelkomplexes im Cepheus. Viele der umgebenden Dunkel- und Reflexionsnebel setzen sich über mehrere Grad Himmelsfläche fort, sind jedoch in dieser Aufnahme nicht vollständig abgebildet.
Die fotografische Herausforderung besteht darin, die feinen Dichteunterschiede sichtbar zu machen, ohne die natürliche Wirkung der Dunkelwolke durch übermäßigen Kontrast zu verfälschen. Lange Integrationszeit ist bei solchen Objekten entscheidend.
Aufnahmedaten
Gesamt 32,2h in RGB
Aufnahmezeitraum: 20.08.2023, 21.08.2023, 22.08.2023, 23.08.2023, 28.07.2024, 29.07.2024, 30.07.2024
Teleskop: TS-Optics Imaging Star 100 mm f/5.8 Quadruplet (TSQ-100ED)
Kamera: ZWO ASI 6200MC Pro (–10 °C, Gain 100)
Montierung: Sky-Watcher AZ-EQ6 / Rainbow Astro RST-135
Bildbearbeitung: ZWO ASIAIR, PixInsight, Photoshop



