Sonnenfinsternis am 12. August 2026 im Sonnenuntergang

Die Sonnenfinsternis am 12. August 2026 gehörte zu den astronomischen Ereignissen, auf die ich mich schon lange im Voraus gefreut hatte. Während die Finsternis in Teilen Europas als totale Sonnenfinsternis zu sehen war, blieb sie von Süddeutschland aus partiell. Mit einer Bedeckung von rund 90 Prozent war sie hier dennoch ausgesprochen eindrucksvoll.

Eine Sonnenfinsternis entsteht, wenn der Mond von der Erde aus gesehen vor die Sonne tritt und seinen Schatten auf die Erde wirft. Vollständig verdeckt wird die Sonne nur im schmalen Kernschatten, der Totalitätszone. Diese verlief am 12. August 2026 über Grönland, Island und den Norden Spaniens. Es war die erste totale Sonnenfinsternis seit 1999, deren Kernschatten das europäische Festland berührte.

Süddeutschland lag deutlich neben dieser schmalen Zone, im weit größeren Bereich der nur teilweisen Bedeckung. Deshalb war die Sonne von hier aus nur teilweise bedeckt und nicht vollständig verfinstert.

Meinen Aufnahmestandort hatte ich entsprechend gewählt: Albführen im Kreis Waldshut ist der nächstgelegene etwas erhöhte Ort mit freiem Blick nach Westen, sodass ich die Sonne bis zum Horizont verfolgen konnte. Das Besondere an dieser Finsternis war für mich nicht nur der hohe Bedeckungsgrad, sondern vor allem der Zeitpunkt. Das Ereignis spielte sich am frühen Abend ab und die Sonne stand bereits während der gesamten Finsternis relativ tief über dem westlichen Horizont. Je weiter der Mond vor die Sonne wanderte, desto näher kam gleichzeitig der Sonnenuntergang.

Dadurch entstand eine ganz eigene Dynamik. Aus der nahezu vollständigen Sonnenscheibe wurde innerhalb kurzer Zeit eine immer schmalere Sichel, die sich gleichzeitig dem Horizont näherte. Gegen Ende war die Sonne nur noch wenige Grad hoch und verschwand schließlich noch während der laufenden Finsternis hinter dem Horizont.

Für die Aufnahme hatte ich mich bewusst für drei unterschiedliche Systeme entschieden. Mein Hauptsetup sollte die Finsternis im H-alpha-Licht zeigen, während eine zweite Kamera parallel den Verlauf im Weißlicht dokumentierte. Eine dritte Kamera nahm den gesamten Verlauf im Weitwinkel auf.

Die Aufnahmen im Detail

Im Folgenden gehe ich auf die drei Systeme einzeln ein, beginnend mit dem H-alpha-Setup.

H-alpha-Detailaufnahmen (Lunt 100)

Für die H-alpha-Aufnahmen kam mein Lunt LS100MT mit einer ZWO ASI183MM zum Einsatz. Das Teleskop stand auf einer Rainbow Astro RST-135.

Gerade bei dem tiefen Sonnenstand hatte ich im Vorfeld einige Zweifel, ob sich H-alpha überhaupt lohnen würde. Horizontnahes Seeing, Dunst und die starke atmosphärische Unruhe können feine Strukturen schnell zunichtemachen.

Um möglichst viele kurze Seeingmomente einzufangen, nahm ich deshalb während der gesamten Finsternis kurze SER-Videos auf. Jede Sequenz war etwa drei Sekunden lang und enthielt rund 70 bis 75 Einzelbilder.

Die Aufnahmen wurden automatisch alle 20 Sekunden gestartet. Für die Nachführung verwendete ich HelioMaker in Verbindung mit SharpCap und einer speziell angepassten PHD2-Version. Dadurch konnte die Sonnenscheibe während des gesamten Verlaufs automatisch im Bild gehalten werden.

Aus den einzelnen Videosequenzen wurden später jeweils die besten Frames ausgewählt und gestackt. Anschließend folgten Bearbeitung und Schärfung, am Ende entstand ein Zeitraffer des gesamten Verlaufs.

Das Ergebnis hat mich letztlich doch überzeugt. Trotz des schwierigen Seeings waren zahlreiche Strukturen der Chromosphäre sichtbar. Je tiefer die Sonne stand, desto weniger Details waren sichtbar. Besonders interessant war natürlich die scharf abgezeichnete Mondkante vor der H-alpha-Oberfläche sowie eine Protuberanz am Sonnenrand.

Partielle Sonnenfinsternis im H-alpha-Licht mit Protuberanz am Sonnenrand und scharfer Mondkante vor der Chromosphäre

Weißlicht-Aufnahme (Canon EOS R5)

Parallel lief ein zweites, weitgehend autonomes Setup, das ich auf dem Lunt montiert hatte.

Hier verwendete ich:

Canon EOS R5
Canon RF 100–500 mm
Canon RF 2× Extender
effektive Brennweite 1000 mm
Baader Sonnenfilterfolie OD 5.1
1,6× Crop-Modus

Die Kamera nahm im C-RAW-Format auf. Über einen Pixel Pro TW-283TX Intervallauslöser wurden automatisch kurze Serien von jeweils etwa drei Sekunden ausgelöst.

Dabei entstanden ungefähr 19 Bilder pro Serie. Eine neue Serie wurde etwa alle zehn Sekunden aufgenommen. Dadurch stand später auch für das Weißlicht eine ausreichende Auswahl an Bildern zur Verfügung, um schlechtes Seeing auszusortieren.

Das Weißlichtbild zeigt deutlich die Sonnenflecken und die saubere Silhouette des Mondes. Im direkten Vergleich mit H-alpha erkennt man sehr schön, wie unterschiedlich die beiden Wellenlängen die Sonne darstellen.

Leider hat sich die Halterung im Laufe der Aufnahme etwas geneigt. Dadurch geriet die Sonnensichel teilweise aus dem Bildfeld, sodass sich aus diesen Aufnahmen kein vollständiger Zeitraffer erstellen ließ.

Partielle Sonnenfinsternis im Weißlicht mit Sonnenflecken und der Silhouette des Mondes vor der Sonnenscheibe

Stimmungs- und Weitwinkelverlauf zum Sonnenuntergang

Je näher das Maximum rückte, desto tiefer sank die Sonne. Gleichzeitig wurde der Einfluss der Atmosphäre immer stärker. Die Sonnensichel begann sichtbar zu flimmern und wurde zunehmend vom Horizontdunst beeinflusst.

Gerade diese schwierigen Bedingungen machten den letzten Teil der Finsternis aber besonders reizvoll. Eindrucksvoll wurde es schließlich, als sich die ersten Silhouetten der Bäume vor die Sonne schoben.

Zusätzlich entstand eine Weitwinkelserie, aus der ich später eine Übersicht des gesamten Verlaufs zusammensetzte. Sie zeigt sehr schön, wie die zunehmend schmale Sonnensichel immer tiefer zum Horizont wandert und schließlich während der laufenden Finsternis untergeht.

Weitwinkel-Übersicht des Finsternisverlaufs, die schmaler werdende Sonnensichel wandert zum Horizont und geht unter

Behind the Scenes & Equipment

Aufbau und Vorbereitung

Der Abend selbst ist nur der sichtbare Teil. Der größere Aufwand steckte in den Tagen davor. Drei unterschiedliche Systeme parallel zu betreiben heißt, jedes Setup einzeln vorzubereiten und aufeinander abzustimmen. Ich habe deshalb schon Tage vorher das komplette Equipment im Garten aufgebaut, die Abläufe durchgespielt und die Einstellungen mehrfach getestet.

Ganz verschwand die Anspannung dadurch nicht. Bis kurz vor Beginn blieb die Sorge, etwas Wichtiges vergessen oder eine Einstellung falsch gesetzt zu haben. Bei einem Ereignis, das sich nicht wiederholt, zählt jeder Handgriff, und dieser Druck gehört für mich einfach dazu.

Der folgende Zeitraffer zeigt den Aufbau der drei Systeme am Finsternistag vor Ort in Albführen.

Ein Dank geht an Daniel, der mich beim Auf- und Abbau tatkräftig unterstützt hat.

Aufbau der drei Kamerasysteme vor Beginn der Finsternis

Aufbau der drei Kamerasysteme vor Beginn der Finsternis

Verwendetes Equipment & Software

H-alpha
Lunt LS100MT
ZWO ASI183MM
Rainbow Astro RST-135
SharpCap Pro
HelioMaker
PHD2 Solar Version

3-Sekunden-SER-Sequenzen mit rund 74 Frames, Aufnahmeintervall etwa 20 Sekunden, automatische Sonnennachführung über HelioMaker und PHD2.

Weißlicht
Canon EOS R5
Canon RF 100–500 mm
Canon RF 2× Extender (1000 mm Brennweite)
1,6× Crop-Modus
Baader Sonnenfilterfolie OD 5.1
Pixel Pro TW-283TX

C-RAW-Serien mit etwa 19 Bildern innerhalb von drei Sekunden, Aufnahmeintervall etwa 10 Sekunden, automatische Auslösung über den TW-283TX.

Weitwinkel
Canon EOS R5
Canon RF 24–70 mm bei 70 mm
Baader Sonnenfilterfolie OD 5.1

Aufnahmeintervall etwa 20 Sekunden, automatische Auslösung über internen Timer.

Post-Processing-Software
AutoStakkert 4, PIPP (Planetary Imaging PreProcessor), Adobe Lightroom Classic und Photoshop, DaVinci Resolve Studio

Fazit

Damit endete ein intensiver, aber technisch erstaunlich reibungsloser Beobachtungsabend. Die Entscheidung, sowohl H-alpha als auch Weißlicht aufzunehmen, hat sich für mich eindeutig gelohnt. Schön war zudem, dass ich am selben Standort nicht allein war. Mit anderen, die die Finsternis ebenfalls von hier aus verfolgten, ergaben sich einige nette Gespräche.

Eine Lehre nehme ich dennoch mit: Die leichte Neigung der Weißlicht-Halterung während der Aufnahme hat einen vollständigen Zeitraffer dieses Setups verhindert. Diesen Punkt werde ich beim nächsten Mal von Anfang an besser absichern.