Das dunkle Seepferdchen im Cepheus – LDN 1082 (Barnard 150)
LDN 1082 ist eine ausgedehnte Dunkelwolke im Sternbild Cepheus, die auch als Barnard 150 bekannt ist. Aufgrund ihrer langgezogenen und geschwungenen Form trägt sie den Beinamen „Seepferdchennebel“.
Anders als ein Emissions- oder Reflexionsnebel leuchtet diese Region im sichtbaren Licht nicht selbst. Sichtbar wird sie vor allem dadurch, dass dichter interstellarer Staub das Licht der dahinterliegenden Sterne und der Milchstrasse abschwächt oder vollständig blockiert. Dadurch zeichnen sich die dichtesten Bereiche als fast schwarze Filamente vor dem wesentlich helleren Sternhintergrund ab.
In der Aufnahme zeigt sich jedoch weit mehr als nur die namensgebende dunkle Silhouette. Über das gesamte Bild verteilen sich unterschiedlich dichte Staubschichten, von nahezu undurchsichtigen schwarzen Strukturen bis zu wesentlich feineren braunen und grauen Schleiern. Erst durch die lange Gesamtbelichtungszeit werden die geringen Helligkeits- und Farbunterschiede innerhalb dieser ausgedehnten Staublandschaft deutlich sichtbar.
Kurzfacts
Objekt: LDN 1082 / Barnard 150
Name: Seepferdchennebel, englisch „Seahorse Nebula“
Objekttyp: Dunkelwolke / filamentare Molekülwolke
Sternbild: Cepheus
Weitere Bezeichnung: GF 9, Bezeichnung des globularen Filaments nach Schneider & Elmegreen (1979)
Dichte Kerne: L1082 A, L1082 B und L1082 C
Entfernung: 270 ± 10 pc bzw. rund 880 Lichtjahre nach einer Gaia-DR2-basierten Bestimmung von Clemens et al. (2018)
Aufnahmezeitraum: 09.07. bis 14.08.2026, insgesamt 7 Nächte
Gesamtbelichtungszeit: 50 h 29 min
Luminanz: 748 × 180 s, gesamt 37 h 24 min
RGB: 157 × 300 s, gesamt 13 h 05 min
Eine Wolke, die durch fehlendes Licht sichtbar wird
Dunkelnebel gehören zu den Regionen des Nachthimmels, deren Erscheinungsbild nicht durch ausgesandtes, sondern durch fehlendes Licht entsteht. Kaltes interstellares Gas und insbesondere feine Staubpartikel absorbieren und streuen das Licht der dahinterliegenden Sterne.
Je dichter die Wolke entlang unserer Sichtlinie ist, desto stärker wird der Hintergrund abgeschwächt. Die dichtesten Bereiche von LDN 1082 erscheinen deshalb nahezu schwarz, während dünnere Staubschichten lediglich eine leichte Abdunklung oder Verfärbung des Hintergrundes verursachen.
Genau diese Übergänge machen die Region fotografisch interessant. Die Struktur des Nebels endet nicht an den offensichtlich schwarzen Filamenten. Auch weite Teile der scheinbar helleren Umgebung sind von interstellarem Staub unterschiedlicher Dichte durchzogen. Dadurch entsteht über das gesamte Bild eine komplexe Struktur aus dunklen Bändern, feinen Schleiern und unterschiedlich stark abgeschwächtem Sternlicht.
Barnard 150, LDN 1082 und GF 9
Die verschiedenen Bezeichnungen des Objektes stammen aus unterschiedlichen astronomischen Katalogen. Edward Emerson Barnard katalogisierte die filamentare Dunkelwolke als Barnard 150. Im Katalog dunkler Nebel von Beverly T. Lynds findet sich die Region als L 1082, heute meist als LDN 1082 bezeichnet.
Schneider und Elmegreen nahmen die Struktur 1979 ausserdem als GF 9 in ihren Katalog globularer Filamente auf. GF 9 bezeichnet dabei das filamentare Wolkensystem als Ganzes und nicht lediglich einen einzelnen der darin enthaltenen dichten Kerne.
Innerhalb des Filaments wurden mehrere Verdichtungen identifiziert. Dazu gehören die drei Kerne L1082 A, L1082 B und L1082 C. Besonders der Kern L1082C ist auch im Zusammenhang mit aktiver Sternentstehung wissenschaftlich intensiv untersucht worden.
Die namensgebende Seepferdchenform entsteht durch die langgezogene und gekrümmte Verteilung besonders dichter Staubbereiche. Fotografisch tritt sie vor dem sternreichen Hintergrund der Milchstrasse deutlich hervor.
Sternentstehung hinter dunklem Staub
Solche Dunkelwolken sind nicht einfach nur passive Ansammlungen von Staub. Sie bestehen überwiegend aus kaltem molekularem Gas mit eingelagerten Staubpartikeln. In ausreichend dichten Bereichen können Teile einer solchen Wolke unter ihrer eigenen Gravitation kollabieren und damit die Entstehung neuer Sterne einleiten.
Genau solche Prozesse finden auch innerhalb von GF 9 statt. Besonders untersucht wurde der dichte Kern L1082C, in dem sich das junge stellare Objekt GF 9-2, auch als IRAS 20503+6006 bezeichnet, befindet. GF 9-2 wird als massearmes und leuchtschwaches Class-0-Objekt eingeordnet und befindet sich damit in einer sehr frühen Phase der Sternentstehung.
Von diesen Vorgängen ist in einer Aufnahme im sichtbaren Licht praktisch nichts direkt zu erkennen. Zu sehen sind stattdessen die ausgedehnten Staubstrukturen, die das Licht der dahinterliegenden Sterne absorbieren und gleichzeitig jene kalten und dichten Regionen markieren, in denen solche frühen Phasen der Sternentstehung stattfinden können.
Wie weit ist der Seepferdchennebel entfernt?
Die Entfernung von GF 9 beziehungsweise LDN 1082 wurde in der Literatur über viele Jahre unterschiedlich eingeschätzt. Ältere Arbeiten nennen verschiedene Werte im Bereich von ungefähr 100 bis 440 Parsec. So wurden unter anderem Entfernungen von 100 ± 50 pc, 150 pc, 200 pc und 440 pc angenommen. Ein Teil dieser Werte beruhte auf indirekten Abschätzungen oder auf einem vermuteten räumlichen Zusammenhang mit anderen Wolkenstrukturen im Cepheus.
Eine neuere Bestimmung stammt von Clemens et al. aus dem Jahr 2018. Die Autoren kombinierten Polarisationsmessungen von Hintergrundsternen mit Parallaxendaten aus Gaia DR2. Die Analyse ergab für GF 9 eine Entfernung von 270 ± 10 Parsec. Das entspricht ungefähr 880 Lichtjahren.
Der Wert von 270 pc sollte deshalb nicht als seit jeher eindeutig bekannte Entfernung verstanden werden, sondern als neuere, auf Gaia-Daten gestützte Bestimmung innerhalb einer historisch deutlich streuenden Literatur.
Lage am Himmel
LDN 1082 befindet sich im Sternbild Cepheus bei ungefähr +60° Deklination. Für Beobachter in Mitteleuropa liegt die Region damit weit im Norden des Himmels und ist zirkumpolar, geht also grundsätzlich nicht unter.
Der Seepferdchennebel befindet sich in einer stark von interstellarem Staub geprägten Region der Milchstrasse. Am Himmel liegt Barnard 150 ungefähr zwischen dem Emissionsnebel Sh2-129 und der Galaxie NGC 6946, der bekannten Feuerwerksgalaxie.
Gerade auf tief belichteten Aufnahmen zeigt sich, dass Barnard 150 keineswegs isoliert vor einem gleichmässigen Sternhintergrund liegt. Das gesamte Umfeld ist von fein strukturierten Staubschichten durchzogen, in die sich die wesentlich dichteren schwarzen Filamente des eigentlichen Dunkelnebels einfügen.
Sieben Nächte für dunklen Staub
Die Daten für diese Aufnahme entstanden über einen Zeitraum von gut einem Monat in insgesamt sieben Nächten zwischen dem 09. Juli und dem 14. August 2026.
Die Luminanzdaten wurden am 09., 11. und 12. Juli sowie am 11., 12., 13. und 14. August 2026 aufgenommen. Die RGB-Daten entstanden parallel dazu während der drei Nächte am 09., 11. und 12. Juli 2026.
Bei einer Dunkelwolke liegt die fotografische Herausforderung weniger darin, ein extrem schwaches leuchtendes Objekt sichtbar zu machen. Entscheidend sind vielmehr die sehr kleinen Helligkeits- und Farbunterschiede zwischen den unterschiedlich dichten Staubschichten und dem Hintergrund der Milchstrasse. Entsprechend umfangreich fiel die Datensammlung aus.
Insgesamt kamen 50 Stunden und 29 Minuten integrierte Belichtungszeit zusammen. Den grössten Anteil bilden 748 Luminanzaufnahmen mit jeweils 180 Sekunden Belichtungszeit. Damit entfallen 37 Stunden und 24 Minuten allein auf die Luminanz. Ergänzt wurden diese Daten durch 157 RGB-Aufnahmen mit jeweils 300 Sekunden, was weiteren 13 Stunden und 05 Minuten entspricht.
Für die Aufnahme kamen zwei parallel betriebene Systeme zum Einsatz. Ein LZOS 152/1200 mit einer ZWO ASI 6200MM Pro zeichnete die Luminanzdaten auf. Parallel dazu entstanden die RGB-Daten mit einem TS CF-APO 155 f/8 und einer ZWO ASI 2400MC Pro. Beide Teleskope wurden jeweils von einer eigenen Sky-Watcher EQ8-R getragen.
Gerade die umfangreiche Luminanzintegration ermöglicht es, die sehr schwachen Übergänge zwischen den nahezu schwarzen Filamenten und den wesentlich diffuseren Staubstrukturen im Umfeld herauszuarbeiten. Die RGB-Daten ergänzen die subtilen Farbunterschiede des Staubes und des dichten Sternfeldes.
Das Ergebnis zeigt LDN 1082 damit nicht nur als dunkle Silhouette eines Seepferdchens, sondern als Teil einer grossflächigen und vielschichtigen Staublandschaft innerhalb unserer Milchstrasse.
Aufnahmedaten
Aufnahmedatum: 09.07.2026 bis 14.08.2026
Gesamtbelichtung: 50 h 29 min
Belichtung Luminanz: 748 × 180 s, gesamt 37 h 24 min
Belichtung RGB: 157 × 300 s, gesamt 13 h 05 min
Aufnahmenächte:
- 09.07.2026: Luminanz, 3 h 30 min / RGB, 3 h 55 min
- 11.07.2026: Luminanz, 4 h 54 min / RGB, 4 h 40 min
- 12.07.2026: Luminanz, 4 h 57 min / RGB, 4 h 30 min
- 11.08.2026: Luminanz, 6 h 21 min
- 12.08.2026: Luminanz, 5 h 18 min
- 13.08.2026: Luminanz, 6 h 24 min
- 14.08.2026: Luminanz, 6 h 00 min
Teleskop Luminanz: APM LZOS 152/1200 Apo
Teleskop RGB: TS CF-APO 155 f/8
Kamera Luminanz: ZWO ASI 6200MM Pro
Kamera RGB: ZWO ASI 2400MC Pro
Montierungen: 2 × Skywatcher EQ8-R
Software: ZWO ASIAIR, PixInsight, Photoshop
Literatur und Quellen
Clemens, D. P.; El Batal, A. M.; Cerny, C.; Kressy, S.; Schroeder, G.; Pillai, T. (2018):
Magnetic Field Uniformity Across the GF 9-2 YSO, L1082C Dense Core, and GF 9 Filamentary Dark Cloud.
The Astrophysical Journal, 867, 79.
DOI: 10.3847/1538-4357/aae2af
arXiv: 1809.05457



