LBN 691 / MBM 32 – Galaktischer Cirrus im Großen Bären
Es gibt Objekte, die nicht durch kräftige Farben oder spektakuläre Kontraste auffallen, sondern erst beim längeren Betrachten ihre Wirkung entfalten. LBN 691 im Sternbild Großer Bär gehört für mich genau in diese Kategorie.
Die Aufnahme zeigt ein äußerst lichtschwaches Feld aus feinem galaktischem Staub. Über das gesamte Bild ziehen sich schwache Schleier, Verästelungen und unterschiedlich dichte Strukturen, die sich teilweise nur ganz knapp vom Hintergrund abheben. Gerade diese Zurückhaltung macht das Objekt reizvoll.
Kurzinfos
Objekt: LBN 691 / MBM 32
Objekttyp: hochgalaktische Molekül- und Staubwolke
Sternbild: Großer Bär
Lage zur Milchstraße: etwa 41° oberhalb der galaktischen Ebene
LBN 691 und MBM 32
Das Objekt ist unter zwei gebräuchlichen Katalogbezeichnungen bekannt. Die Bezeichnung LBN 691 stammt aus dem Katalog heller Nebel von Beverly T. Lynds. Später wurde die Wolke als MBM 32 in den Katalog hochgalaktischer Molekülwolken von Magnani, Blitz und Mundy aufgenommen.
Eine etablierte bildhafte Eigenbezeichnung scheint es für LBN 691 nicht zu geben. Deshalb habe ich hier bewusst darauf verzichtet, irgendeine Form oder einen vermeintlichen Namen in die Strukturen hineinzuinterpretieren.
LBN 691 gehört zu den hochgalaktischen Staubwolken, also zu interstellarem Material, das weit außerhalb der auffälligen Milchstraßenebene am Himmel liegt. Solche Wolken weisen meist nur eine geringe optische Tiefe auf und erscheinen deshalb nicht als kompakte dunkle oder helle Nebel, sondern als sehr feine, diffuse Strukturen.
Feiner galaktischer Cirrus
Im Zentrum der Aufnahme verdichten sich die Staubstrukturen deutlich. Trotzdem bleiben die Übergänge sehr weich. Helle Bereiche gehen nahezu nahtlos in schwächere Schleier über, während sich dazwischen dunklere Zonen öffnen.
Gerade bei solchen Objekten ist die Unterscheidung zwischen tatsächlicher Struktur und Hintergrund besonders anspruchsvoll. Die Wolken besitzen nur eine sehr geringe Flächenhelligkeit und werden im sichtbaren Licht unter anderem dadurch erkennbar, dass interstellarer Staub das vorhandene Strahlungsfeld unserer Milchstraße streut.
Das Erscheinungsbild ist deshalb völlig anders als bei klassischen Emissionsnebeln. Es gibt keine klar abgegrenzten H-II-Strukturen oder kräftigen Emissionsfarben. Stattdessen besteht das Motiv fast ausschließlich aus feinen Helligkeits- und Farbunterschieden innerhalb des Staubes.
Galaxien hinter dem Staub
Eine für mich besonders interessante Eigenschaft dieses Bildfeldes ist die große Zahl an Hintergrundgalaxien.
Zwischen den schwachen Staubstrukturen tauchen immer wieder kleine längliche oder leicht diffuse Objekte auf. Manche sind schon im Gesamtbild sichtbar, andere werden erst bei genauer Betrachtung der Ausschnitte deutlich.
Im entsprechenden Crop wird besonders schön sichtbar, wie viele Galaxien tatsächlich in diesem Feld liegen. Die Staubstrukturen gehören zu unserer eigenen Milchstraße, während die kleinen Galaxien weit dahinter liegen. Dadurch bekommt die Aufnahme eine zusätzliche räumliche Tiefe.
Die annotierte Ansicht
Wie dicht das Feld mit Hintergrundobjekten besetzt ist, zeigt die annotierte Version noch deutlicher.
Neben LBN 691 selbst finden sich zahlreiche katalogisierte PGC-Galaxien über das gesamte Bild verteilt. Besonders im linken oberen Bereich fällt eine ganze Gruppe kleiner Galaxien auf, die bereits im nicht annotierten Bild gut zu erkennen ist.
Interessant ist außerdem NGC 2909, das ebenfalls innerhalb des Bildfeldes liegt. Die historische Identifikation dieses NGC-Objekts ist nicht ganz eindeutig. Nach der ursprünglichen Beobachtung handelt es sich sehr wahrscheinlich um zwei eng beieinanderstehende Sterne. In einzelnen modernen Datenbanken wurde die Bezeichnung dagegen auch einer Galaxie zugeordnet.
Diese kleine Katalogbesonderheit zeigt ganz nebenbei, dass selbst bei lange bekannten NGC-Einträgen nicht jede moderne Zuordnung völlig eindeutig sein muss.
Lage am Himmel
LBN 691 befindet sich im Sternbild Großer Bär bei einer galaktischen Breite von etwa +41° und damit deutlich außerhalb der hellen Milchstraßenebene.
Auf dem Finding Chart liegt das Aufnahmefeld südlich der bekannten Galaxien M81 und M82. Die hohe galaktische Breite ist zugleich einer der Gründe, weshalb in diesem Gebiet zahlreiche ferne Hintergrundgalaxien sichtbar werden, während sich davor die schwachen Staubstrukturen unserer eigenen Milchstraße abzeichnen.
Die Aufnahme
Die ersten Daten für dieses Projekt entstanden bereits am 25. Dezember 2024. Eine weitere Nacht folgte Anfang Januar 2025. Danach blieb das Objekt zunächst liegen.
Erst im März 2026 habe ich das Projekt wieder aufgenommen und innerhalb weniger Wochen weitere sieben Nächte gesammelt. Damit liegen zwischen den ersten und den letzten Aufnahmen mehr als ein Jahr.
Insgesamt sind schließlich 669 Einzelaufnahmen mit jeweils 300 Sekunden Belichtungszeit zusammengekommen. Das entspricht einer Gesamtbelichtungszeit von 55 Stunden und 45 Minuten.
Bei einem Objekt wie LBN 691 ist diese lange Integrationszeit besonders hilfreich. Die eigentliche Herausforderung liegt weniger darin, einzelne helle Strukturen sichtbar zu machen, sondern die sehr schwachen Unterschiede innerhalb des Staubes sauber vom Hintergrund zu trennen und gleichzeitig die feinen Strukturen sowie die zahlreichen kleinen Galaxien zu erhalten.
Aufnahmedaten
Teleskop: TSQ-100 Apo
Montierung: Rainbow Astro RST-135
Kamera: ZWO ASI 6200 MC Pro
Belichtung: 669 × 300 Sekunden
Gesamtbelichtungszeit: 55 Stunden 45 Minuten
Aufnahmenächte: 9
Zeitraum: 25.12.2024 bis 08.04.2026
Drizzle: 2×





