IC 5070 – Der Pelikannebel in SHO und RGB
Der Pelikannebel IC 5070 liegt im Sternbild Schwan, unmittelbar neben dem bekannten Nordamerikanebel NGC 7000. Beide gehören zu einer ausgedehnten Nebelregion unserer Milchstraße und sind rund 2.600 Lichtjahre von uns entfernt.
Besonders auffällig sind die zahlreichen Dunkelwolken, die sich durch das leuchtende Gas ziehen und dem Pelikannebel seine charakteristische Form verleihen.
Für meine Aufnahme habe ich mich hauptsächlich auf eine SHO-Falschfarbendarstellung konzentriert. Ergänzend entstanden RGB-Aufnahmen, mit denen sich die Region auch in ihrer klassischen Farbgebung zeigen lässt.
Der Pelikannebel und seine Dunkelwolken
Seinen Namen verdankt IC 5070 der auffälligen Silhouette, die mit etwas Fantasie an einen Pelikan erinnert. Die dunklen Staubwolken formen dabei unter anderem Auge und Schnabel, während helle Nebelstrukturen die Konturen von Kopf und Hals nachzeichnen.
Die Region ist ein aktives Sternentstehungsgebiet. Vor allem ein sehr heißer Stern, der hinter einer Dunkelwolke verborgen liegt, regt das umgebende Gas durch seine intensive Strahlung zum Leuchten an. Dichte Staubwolken schirmen dagegen das Licht dahinterliegender Bereiche ab.
Was mir an diesem Nebel besonders gefällt, sind die zahlreichen feinen Strukturen und die ausgeprägten Kontraste zwischen den hellen Gaswolken und den dunklen Staubgebieten. Einige dieser Dunkelwolken besitzen scharf abgegrenzte Konturen, während andere allmählich in die umliegenden Nebelbereiche übergehen.
Die folgende annotierte Aufnahme zeigt einige der katalogisierten Nebelgebiete und Dunkelwolken innerhalb des Bildfeldes.
Die SHO-Farbpalette
Für die Hauptaufnahme habe ich den Pelikannebel durch drei Schmalbandfilter aufgenommen: SII für Schwefel, Hα für Wasserstoff und OIII für Sauerstoff.
Bei der SHO-Kombination wird SII dem Rot-, Hα dem Grün- und OIII dem Blaukanal zugeordnet. Die entstehenden Farben entsprechen daher nicht dem natürlichen Erscheinungsbild des Nebels.
In meiner Bearbeitung habe ich mich für eine Farbgebung mit warmen Gold- und Orangetönen entschieden, die einen schönen Kontrast zu den kühleren Cyan- und Blautönen bilden.
Gerade die dunklen Staubwolken kommen in dieser Darstellung sehr gut zur Geltung. Auch die feineren Gasstrukturen und ihre Übergänge lassen sich gut voneinander unterscheiden.
SHO und RGB im Vergleich
Neben den Schmalbandaufnahmen habe ich den Pelikannebel auch mit klassischen RGB-Filtern fotografiert.
Im Gegensatz zur farbenreichen SHO-Version erscheint die Region in RGB überwiegend in rötlichen Farbtönen, die hauptsächlich vom leuchtenden Wasserstoff stammen.
Ich finde es immer wieder interessant, wie unterschiedlich ein und dieselbe Nebelregion durch verschiedene Aufnahme- und Bearbeitungsmethoden wirken kann. Während mir die SHO-Version durch ihre Farbkontraste und die hervorgehobenen Strukturen besser gefällt, zeigt die RGB-Aufnahme eine natürlichere Farbinterpretation.
Mit dem folgenden Bildvergleich lassen sich beide Versionen direkt gegenüberstellen.
Der direkte Vergleich zwischen der SHO-Falschfarbendarstellung und der klassischen RGB-Aufnahme.
Aufnahmedaten
Teleskop: TS-Optics TSQ-100 ED APO
Öffnung / Brennweite: 100 mm / 580 mm (f/5,8)
Montierung: Sky-Watcher AZ-EQ6
Kamera: ZWO ASI2600MM Pro
Filter: Hα, SII, OIII und RGB
Aufnahmezeitraum: Juni bis Juli 2022
Belichtungszeiten:
- Hα: 25 × 300 s = 2 h 05 min
- SII: 15 × 300 s = 1 h 15 min
- OIII: 15 × 300 s = 1 h 15 min
- Rot: 20 × 180 s = 1 h 00 min
- Grün: 20 × 180 s = 1 h 00 min
- Blau: 23 × 180 s = 1 h 09 min
Schmalband: 4 h 35 min
RGB: 3 h 09 min
Gesamtbelichtungszeit: 7 h 44 min
Bildbearbeitung: PixInsight und Adobe Photoshop


